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Viele Mitarbeiter halten ihre Arbeit nur mit Pillen aus!

Neue DAK-Gesundheitsstudie veröffentlicht.

Doping im Job erhöht Präsentismus in Unternehmen

Der Fachterminus "Präsentismus" beschreibt die Tatsache, dass immer mehr Menschen krank am Arbeitsplatz erscheinen, aus Angst Ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Durch Präsentismus entstehen erhebliche direkte Kosten und Folgekosten. Eine neue Studie der DAK-SH belegt diesen Trend. Lesen Sie mehr im folgenden Artikel der Kieler Nachrichten vom 28.04.09.


Viele halten ihre Arbeit nur mit Pillen aus

Kiel - 63.000 Schleswig-Holsteiner haben am Arbeitsplatz schon einmal gedopt. Das ist jeder 20. Erwerbstätige. Hauptgründe sind laut einer repräsentativen Studie im Auftrag der DAK Stress und die Hoffnung, mit Arznei gegen Demenz oder Depressionen länger oder mehr Leistung bringen zu können.

„Diese Art des Dopings ist neu, angetrieben von dem Anspruch, im Beruf permanent die geforderte Leistung zu bringen“, sagte Katrin Krämer, Studienleiterin vom IGES-Institut, am Dienstag in Kiel. So wussten 44 Prozent der Befragten, dass Medikamente gegen Gedächtnisstörungen und Depressionen auch von Gesunden zur Leistungssteigerung genommen werden. Jeder fünfte Befragte fand dies auch in Ordnung: Das Gesundheitsrisiko sei im Vergleich zum mutmaßlichen Nutzen vertretbar. Diese Auffassung ist vor allem bei solchen Arbeitskräften anzutreffen, die über viel Stress, starke Konkurrenz oder einen unsicheren Arbeitsplatz klagen.


Fünf Prozent der Befragten berichten, dass sie sich selbst schon im Job mit solchen Medikamenten zu puschen versucht haben. Zwei Prozent sind laut Krämer „bereits harte Doper, machen es also planvoll und regelmäßig“. Das betrifft Studenten ebenso wie Personal in der Gesundheitsbranche, Banker oder Manager. Dabei gibt es Unterschiede bei den Geschlechtern. „Männer frisieren ihr Leistungspotenzial, Frauen polieren eher ihre Stimmung auf“, erklärte DAK-Landeschefin Regina Schulz.

Offensichtlich ist das Doping bereits Alltagsgespräch: Jedem Fünften wurde solch ein Arzneimittel schon mal ohne medizinisch triftigen Grund empfohlen - von Kollegen, Freunden, Angehörigen (50 Prozent), von Ärzten (30 Prozent) und von Apotheken (10 Prozent). Wer das Medikament tatsächlich genommen hat, hat es laut eigener Aussage nur in 14 Prozent der Fälle von einem Arzt verschrieben bekommen. 33 Prozent wollen es ohne Rezept in der Apotheke am Wohnort erhalten haben. „Testkäufe haben bestätigt, dass so etwas möglich ist“, sagte Krämer. In 23 Prozent wurde es über das Internet und andere Versandquellen gekauft, in 20 Prozent kam es von Kollegen, Freunden oder Angehörigen.

„Mittel, die Kindern gegen das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ADHS verschrieben werden, werden von Erwachsenen genommen“, sagte Schulz und warnte eindringlich vor solchem Missbrauch: Man gefährde seine Gesundheit und riskiere sogar, süchtig zu werden.

Quelle: Heike Stüben | kn | 28.04.2009