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Schwerpunktthema Gesundheitsmanagement

Interview mit TeamThink Berater Thomas Kaschner

Thomas Kaschner

„Warum ist
betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) sinnvoll?"

"2008 ist die Zahl der Krankschreibungen weiter angestiegen (DAK- Gesunheitsreport 2008). Besonders Rückenbeschwerden (21,9 %) und psychische Erkrankungen (10,2 %) haben im vergangenen Jahr zu höheren Fehlzeiten geführt. Insgesamt kann man sagen, dass sich also die Gesundheit der Angestellten im Durchschnitt verschlechtert. Diese Entwicklung ist für Unternehmen ungünstig, da die direkten und indirekten Lohnkosten steigen.

Auch im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel ist dieses Thema für das Personalmanagement von zentraler Bedeutung. Dabei geht es nicht nur um die Gesunderhaltung Ihrer Mitarbeiter und deren Bindung an das Unternehmen, sondern auch um die Attraktivitätssteigerung des Unternehmens am Markt."

„Was ist betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)?“

"Ein betriebliches Gesundheitsmanagement umfasst Maßnahmen aus verschiedenen Fachdisziplinen wie Psychologie, Medizin, Gesundheits- und Sozialwissenschaften sowie (Sicherheits-)Technik. Außerdem schließt es den regulierten Gesundheits- und Arbeitsschutz mit ein. Mit diesen Aktivitäten kann die Gesundheit von MitarbeiterInnen, die Fehlzeitenquote, die Leistungsfähigkeit, eine störungsfreie Produktion usw. positiv beeinflusst werden. Entscheidend beim BGM ist die Verknüpfung der Ziele der Unternehmensführung mit den Gesundheitszielen. BGM unterstützt nachhaltig interne Prozesse und die Humanressourcen eines Unternehmens und fördert somit seine Wirtschaftlichkeit."

„Was sind typische Themen für den Bereich Gesundheitsmanagement?“


"Ein BGM umfasst viele Themen innerhalb eines Unternehmens. Da ist einerseits der per Gesetz geforderte Gesundheits- und Arbeitsschutz. Im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung werden Themen wie Stressbewältigung und Mobbing bearbeitet. Dazu gehören aber auch Themen wie die Rückenschule, die Ernährungsberatung und Alkohol- und Suchtprogramme. Eine besondere Funktion liegt im betrieblichen Eingliederungsmanagement, ein Unterfangen, um Arbeitsplätze für Beschäftigte zu erhalten, denen ein Arbeitsplatzverlust durch die Beeinträchtigung ihrer Leistungsfähigkeit droht. In der Personal- und Organisationsentwicklung spielen Themen wie „Gesunde Führung“, aber auch die richtige Personalauswahl eine Rolle."

„Welchen Nutzen bzw. Vorteile hat Gesundheitsmanagement für ein Unternehmen?“

"Unternehmen ziehen aus dem Gesundheitsmanagement folgenden Nutzen: Der Krankenstand wird gesenkt, die Personalverfügbarkeit erhöht und die Motivation der MitarbeiterInnen gesteigert.
So kann auch die Produktqualität optimiert und das Unternehmensimage verbessert werden - womit zudem die Wettbewerbsfähigkeit steigt. Zuletzt gibt es Steuervorteile, denn seit dem 01. Januar 2009 sind zusätzliche Aufwendungen der betrieblichen Gesundheitsförderung bis zu einem Betrag von 500 € pro Mitarbeiter und Kalenderjahr steuer- und sozialabgabenfrei (EStG § 3 Nr. 34).
Doch nicht nur für das Unternehmen ergeben sich Vorteile, auch der Mitarbeiter/die Mitarbeiterin profitiert vom betrieblichen Gesundheitsmanagement: Belastungen werden verringert, indem der Umgang mit Arbeitsanforderungen verbessert wird. Auch ein guter Gesundheitszustand und die Erhaltung bzw. Zunahme der eigenen Leistungsfähigkeit können gewährleistet werden. Letztlich erfährt der Mitarbeiter/die Mitarbeiterin eine Steigerung des Wohlbefindens und der Arbeitszufriedenheit, wodurch auch das Betriebsklima optimiert wird."

„Gibt es Studienergebnisse zu der Wirksamkeit von Gesundheitsmanagement?“

"Ja, es gibt eine Vielzahl von Untersuchungen zu diesem Thema. Nachzulesen z. B. im DAK Fehlzeiten-Report 2008. Es gibt Untersuchungen, die davon sprechen, dass Fehlzeiten um 12 – 36 % gesenkt werden können und die damit verbundenen Kosten um 34 %. Eine in Deutschland durchgeführte Studie stellt einen klaren Zusammenhang von Sozialkapital und wirtschaftlichem Erfolg von Unternehmen her. Internationale Studien (z. B. Bundesverband der deutschen Betriebskrankenkassen) belegen ein Kosten-Nutzen-Verhältnis (ROI: Return Of Investment) von 1 : 2,5 bis zu 1 : 10,1. Positive Beispiele wie Volvo, Katjes, Weleda, Lands‘ End oder SAP zeigen, dass sich Investitionen in Gesundheit vielfach amortisieren."

„Was würden Sie Unternehmen raten, die die Gesundheit ihrer Mitarbeiter stärken wollen?“

"Am Anfang steht ein klares Bekenntnis zum Thema Gesundheit am Arbeitsplatz. Dazu gehört auch, die Warnzeichen wahrzunehmen, um gegensteuern zu können. Als erster Schritt sollte eine Analyse des Ist-Zustandes vorgenommen werden (Gefährdungsbeurteilung, Fehlzeiten-Analysen, Mitarbeiter-Befragungen). Dabei hat es sich als hilfreich erwiesen, einen Gesundheitszirkel ins Leben zu rufen, in dem sich Personen aus verschiedenen Teilen eines Unternehmens zusammenfinden. Hier werden auch die notwendigen Maßnahmen ausgearbeitet, die für ein Unternehmen hilfreich sein können wie z. B. Führungskräfteschulungen zum Thema „Gesunde Führung“ oder die Einführung eines systematischen, betrieblichen Eingliederungsmanagements. Aber ohne ein klares Bekenntnis zu diesem Thema besteht die Gefahr, das Vertrauen der Mitarbeiter zu verspielen und viel Aktion ohne Effekte zu betreiben."