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Buch-Empfehlung: Das Ziel von Eliyahu M. Goldratt und Jeff Cox
Prozess-Optimierung leicht gemacht
Buch-Empfehlung „Das Ziel“ von Eliyahu M. Goldratt und Jeff Cox, erschienen im Campus Verlag
Möchten Sie mehr über Prozess-Optimierung erfahren ohne sich durch langweilige Theorien durchzubeißen?
Ute Zander empfiehlt einen spannenden Roman, der Spaß macht zu lesen und nebenbei die Engpaß-Theorie vorstellt.
Alex Rogo hat ein großes Problem. Dem Werksleiter eines mittelständischen amerikanischen Unternehmens wird von seinem Werksdirektor die Pistole auf die Brust gesetzt: entweder arbeitet die Firma innerhalb der nächsten drei Monate gewinnbringend oder er ist seinen Job los.
Es kommt noch schlimmer: nicht nur, dass sämtliche Versuche, Ordnung in den Laden zu bekommen, kläglich scheitern und die gesamte Firma im Chaos zu versinken droht, weil Alex auch noch ein uneinsichtiger Workaholic ist, droht seine Frau ihm mit Scheidung und zieht aus dem gemeinsamen Haus aus.
Ein echter Engpass – genauso haben die Autoren und Wirtschaftswissenschafter dieses Buch auch angelegt. Es geht nämlich nicht nur um berufliche und persönliche Schwierigkeiten, das Buch vermittelt ganz nebenbei eine besondere Prozess-Optimierungs-Theorie: die Engpass-Theorie. Das das Buch trotzdem trockenem Stoff spannend bleibt, liegt an dem besonderen Genre: „das Ziel“ ist ein Wirtschafts-Roman.
Info: Die fünf Schritte der Engpass-Theorie
1.Identifiziere den Engpass: in jeder Wertschöpfungskette existiert genau ein System, das den Durchsatz begrenzt. In der Fertigung ist dies meist der Prozessschritt mit der geringsten Kapazität, im Projektmanagement ein bestimmtes Team oder Fähigkeit – es können aber auch Managementkapazität, Denk- und Kommunikationsbandbreite sein. Identifiziert wird der Engpass durch Analyse der Bestände oder durch die entsprechend angepassten Planungsprozesse.
2. Nutze den Engpass optimal aus: nachdem der Fokus auf den Engpass gelegt wurde, wird offensichtlich, dass dieser Engpass typischerweise nicht optimal genutzt wird. Die Optimierung geht im Folgenden in zwei Richtungen. Zum einen muss dafür gesorgt werden, dass der Engpass nie leer läuft – also immer einen kleinen Arbeitsvorrat aufweist. Zum anderen muss der Engpass von allen Aufgaben entlastet werden, die nicht unbedingt im Engpass bearbeitet werden müssen.
3. Richte das Management am Engpasses aus: hier werden alle Unterstützungsprozesse systematisch am Engpass ausgerichtet. Es wird dafür gesorgt, dass nur so viel Arbeit im Gesamtsystem vorhanden ist, wie auch tatsächlich durch den Engpass verarbeitet werden kann. Es wird dafür gesorgt, dass im Engpass optimal gearbeitet werden kann, sprich eindeutige Prioritäten, Qualitätssicherung vor dem Engpass oder Verbesserung der eingesetzten Werkzeuge.
4. Erweitere den Engpass: der letzte Schritt, die Erweiterung der Kapazität des Engpasses. Dies erfolgt ausdrücklich nach den zwei vorangegangenen Schritten, da dieser mit einer Erhöhung der Fixkosten verbunden ist und die Gefahr besteht, dass sich bestehende ungünstigen Managementparadigmen weiter verfestigen.
5. Bei Schritt 1 erneut beginnen: es existiert systemisch immer ein Engpass. Sobald ein Engpass aufgelöst wird, muss an anderer Stelle ein neuer entstehen. Es beginnt ein Kreislauf geprägt durch sprunghafte Verbesserungen.
Seite für Seite fiebert der Leser mit Alex mit: von den ersten Anregungen zur Prozess-Optimierung, die Alex von seinem ehemaligen Professor über die Engpass-Theorie bekommt, von seinen vorerst erfolglosen Versuchen, sein Familienleben zu retten bis hin zu den entscheidenden Momenten, in denen Alex von Grund auf begreift, wie er die Engpass-Theorie in seiner Firma umsetzen muss: während einer Pfadfinder-Wanderung mit seinem Sohn droht die Wandergruppe ihr Zeit-Ziel um Stunden zu verfehlen. Rogo erkennt, dass die Verzögerung genau sein Problem in der Firma wiederspiegelt und schickt einer Intuition folgend den dicksten, langsamsten und am schwersten mit Konserven beladenen Pfadfinder an die Spitze. Der verblüffende Effekt: Die Gruppe wird schneller und kommt rechtzeitig ans Ziel.
So gelingt es Rogo am Ende nicht nur, seine Firma, sondern auch seine Ehe zu retten, letzteres aber nicht mit Hilfe der Engpass-Theorie, sondern mit Liebe und Verständnis.
Lob: All diejenigen, die nach Feierabend komplizierte Management-Methoden leicht verdaulich dargeboten bekommen möchten, kommen auf ihre Kosten.
Kritik: Bei aller Mühe bleibt die Story an sich weit unter dem Niveau des eingeflochtenen fachlich-theoretischen Teils. Die Dialoge und Szenen sind an einigen Stellen zu dicht an Klischees entstanden.
Fazit: Unbedingt lesenswert, das Genre Wirtschafts-Roman macht den Stoff interessant.

