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„Bloß nicht nach dem Gießkannen-Prinzip!“

Warum gesundes Training auch ohne Schwitzen funktioniert.

Gesundheitsmanagement

„Bloß nicht nach dem Gießkannen-Prinzip“ – Interview mit Steffen Eichstaedt von E + S GmbH zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement

Im Interview mit Steffen Eichstaedt, Geschäftsführer des Sport- u. Fitness-Geräte-Herstellers E + S, erfährt Ute Zander, warum gesundes Training auch ohne Schwitzen funktioniert.

UZ
Herr Steffen, Sie verkaufen medizinische Geräte für Rückentrainings und andere sinnvolle Gesundheitstrainings. Wann haben Sie denn das letzte Mal trainiert?

SE
Das ist noch gar nicht lange her – glücklicherweise. Oft hat man ja als Geschäftsführer eines solchen Unternehmens am wenigsten die Gelegenheit, von den eigenen Produkten zu profitieren. 1x pro Woche habe ich einen festen Trainingstermin im Kin, einem medizinischen Fitnessclub ganz in der Nähe unserer Firma hier in Hamburg. Es macht eben auch Spaß, den eigenen Trainingsstandard zu halten und fit zu bleiben.
Darüber hinaus sorgt mein Hund für tägliche Bewegung in meinem Leben. Gerade wenn man so einen vollgestopften Kalender hat wie ich, extrem wichtig, um nicht in Stress zu geraten.

UZ
Für viele Menschen wird es immer selbstverständlicher, regelmäßig Sport zu treiben. Warum aber sollte Ihrer Meinung nach ein Unternehmen in die körperliche Fitness seiner Mitarbeiter investieren? Sollte der Mitarbeiter nicht selbst etwas für seine Gesundheit tun?

SE
Weil Unternehmen erkannt haben, wie wichtig es ist, in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu investieren. Leider sind es ja doch die wenigsten Mitarbeiter, die sich aus eigener Motivation heraus ausreichend bewegen. Die Mehrheit der Belegschaft bewegt sich viel zu wenig. Wenn die Mitarbeiter dann ein gewisses Alter erreichen, entstehen die ersten Beschwerden und Krankheiten: ganz vorne an die Rückenbeschwerden. Gleich danach kommen die Herz-Kreislauf-Krankheiten, von denen man ja weiß, dass sie mit regelmäßigen Ausdauer-Trainings gut zu therapieren sind. Und als Unternehmer will ich doch die Fehlzeiten so gering wie möglich halten.
Natürlich haben Sie recht, eigentlich sollte jeder Mitarbeiter selbst ein Interesse daran haben, gesund zu bleiben. Die Realität sieht leider anders aus. Meistens ist der innere Schweinehund zu groß. Und je älter die Mitarbeiter dann werden – und da stehen wir beim Thema „demografischer Wandel“ ja erst am Anfang der Problematik – desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass sie aufgrund gesundheitlicher Probleme ausfallen.


UZ
Wann ist aus Ihrer Sicht ein Mitarbeiter gesund?


SE
Schwierige Frage – Gesundheit ist sicherlich mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Gesund sein ist auch ein subjektives Gefühl: Ich fühle mich wohl in meiner Haut, in meiner Umgebung und habe ein gutes Körpergefühl.
Aus unternehmerischer Sicht heißt das: Ein gesunder Mitarbeiter fehlt möglichst selten, am besten weniger als eine Woche im Jahr.

UZ
Können Unternehmen denn überprüfen, ob sich ihre Investitionen in betriebliches Gesundheitsmanagement überhaupt lohnen?

SE
In einem Zeitzyklus von 3-5 Jahren sind die Investitionen auf jeden Fall messbar. Natürlich muss man dafür vorher die Messkriterien aufgestellt haben.
Bei unseren Gesundheitstrainings ist das relativ einfach. Wenn wir für ein Unternehmen ein Gesundheits- bzw. Fitnesscenter einrichten, messen wir den Erfolg an der Anzahl der Besucher.
Darüber hinaus werten wir die Messdaten der Geräte regelmäßig aus. Obwohl persönliche Trainingsdaten selbstverständlich anonym bleiben, können wir wichtige Trends entdecken. Vor Kurzem hat sich in einem Unternehmen herausgestellt, dass dort ein großes Bluthochdruck-Problem besteht. Wenn man so etwas erst mal erkannt hat, kann man ganz anders gegensteuern, als wenn das ein anonymer Krankschreibungs-Grund bleibt, der vielleicht noch nicht mal bekannt wird.
Sowohl die Unternehmensleitung als auch die Mitarbeiter reagieren meist sehr positiv auf solche Ergebnisse. Schließlich können wir dann rechtzeitig mit Trainings und Therapien gegensteuern. Ein gravierender Mitarbeiter-Ausfall kann verhindert werden. Und der betroffene Mitarbeiter ist natürlich auch froh, an seinem Arbeitsplatz gezielte Maßnahmen gegen Bluthochdruck wahrzunehmen.

UZ
Aus Sicht des Mitarbeiters: Woran erkenne ich denn, wenn ich mich neu bewerbe, dass in meiner zukünftigen Firma etwas für meine Gesundheit getan wird?

SE
Daran, dass regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen und regelmäßige Tests durchgeführt werden. Dass die Auswertungen mit den Mitarbeitern besprochen werden, sodass merkt: In dieser Firma geht es nicht nur um die Leistung, die ich geben muss, sondern auch darum, dass ich so lange wie möglich in der Lage bin, diese Leistung auch zu bringen.

UZ
Eine letzte Frage: Was raten Sie einem Unternehmen, dass in die Gesundheit seiner Mitarbeiter investieren möchte?

SE
Ich rate dazu, nicht nach dem Gießkannen-Prinzip vorzugehen, sondern ein Gesundheitsmanagement-Konzept zu erstellen, das individuell auf die Situation der Firma abgestimmt ist. Oft ist das Problem, dass sich spontan Aktions- oder Gesundheitskreise in Unternehmen bilden, die sich keinen fachlichen Rat holen. Dann heißt es „Wir warten erst einmal das Ergebnis des Gesundheitstages ab“. Vielleicht guckt sich dann der Werksleiter schon Fitnessstudios an, die die Problemstellungen des Unternehmens gar nicht lösen können. Schlimmstenfalls bekommen diejenigen Mitarbeiter ihr eigenes Fitnessstudio in der Firma, die sowieso schon von allein in ein Fitnessstudio gehen. Diejenigen Mitarbeiter, die dazu aber erst noch motiviert werden müssen, werden wieder nicht angesprochen.
So etwas ist rausgeworfenes Geld.
Wir würden zum Beispiel stattdessen differenzierte Angebote machen, indem wir die Hürde, in so ein Studio zu gehen, so niedrig wie möglich machen.

UZ
Da bin ich aber sehr gespannt, wie so etwas gehen soll.

SE
Ganz einfach – indem es ein Effizienztraining gibt, das man ohne Umziehen und ohne Schwitzen absolvieren kann. Wichtig ist doch, dass die Leute den ersten Schritt gehen. Wie sie das machen, ist uns fast egal, Hauptsache, sie fangen an.
Bewegungsgewohnheiten zu verändern, ist schwierig genug – wir sorgen dafür, dass es so einfach wie möglich wird.

UZ
Herr Eichstaedt, vielen Dank für das Gespräch